Ratgeber / Vergütungsrecht

Das Sondervergütungs- und Provisionsabgabeverbot nach § 48b VAG

Zuletzt aktualisiert: · Team von 34d-pruefung.de

Darf der Vermittler dem Kunden einen Teil seiner Provision „zurückschenken", um den Abschluss zu fördern? Das Versicherungsaufsichtsgesetz sagt klar: nein. § 48b VAG untersagt die Sondervergütung — mit zwei eng umrissenen Ausnahmen. Hier steht, was genau verboten ist, was als Sondervergütung gilt und wo die Grenzen liegen — belegt am Gesetzeswortlaut.

Was das Verbot untersagt (§ 48b Abs. 1 VAG)

Ob jemand als Versicherungsvermittler tätig werden darf, regelt § 34d der Gewerbeordnung. Wie er mit seiner Vergütung umgehen darf, steht dagegen im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Die zentrale Vorschrift ist § 48b VAG, das Sondervergütungs- und Provisionsabgabeverbot.

Nach § 48b Absatz 1 VAG ist es Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittlern im Sinne von § 59 Absatz 1 VVG untersagt, Versicherungsnehmern, versicherten Personen oder Bezugsberechtigten aus einem Versicherungsvertrag Sondervergütungen zu gewähren oder zu versprechen.

Der praktische Kern: Der Vermittler darf dem Kunden nicht einen Teil der Provision auszahlen, die er vom Versicherer für die Vermittlung erhält — und er darf eine solche Zuwendung auch nicht versprechen. Untersagt ist nicht nur die vollzogene Abgabe, sondern schon die Zusage. Hintergrund des Verbots ist der Gedanke, dass der Kunde seinen Vertrag nach Eignung und Qualität auswählen soll und nicht danach, wer die höchste Rückvergütung bietet.

Das Verbot reicht dabei weit: Nach § 48b Absatz 1 Satz 2 VAG gilt es auch für die Angestellten von Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittlern. Und nach § 48b Absatz 1 Satz 3 VAG ist eine entgegenstehende vertragliche Vereinbarung unwirksam — die Zusage einer Sondervergütung ist damit rechtlich nicht bindend.

Was als „Sondervergütung" gilt (§ 48b Abs. 2 VAG)

Der Begriff ist bewusst weit gefasst. Nach § 48b Absatz 2 VAG ist eine Sondervergütung jede unmittelbare oder mittelbare Zuwendung neben der im Versicherungsvertrag vereinbarten Leistung. Das Gesetz nennt drei typische Formen ausdrücklich:

1
Vollständige oder teilweise Provisionsabgabe
2
Sach- oder Dienstleistung ohne Bezug zur Versicherungsleistung
3
Rabattierung auf Waren oder Dienstleistungen

Erfasst ist also nicht nur die klassische Provisionsrückgabe in Geld, sondern auch der Umweg über Sachwerte oder Rabatte. Entscheidend ist das Merkmal „neben der vereinbarten Leistung": Alles, was der Kunde zusätzlich zur Versicherungsleistung erhält, kann unter das Verbot fallen — unmittelbar oder mittelbar.

Die 15-Euro-Grenze („geringwertig"): Die Aufzählung in § 48b Absatz 2 VAG steht unter dem Vorbehalt „sofern sie nicht geringwertig ist" — und das Gesetz definiert diesen Begriff selbst: Als geringwertig gelten Belohnungen oder Geschenke zur Anbahnung oder anlässlich eines Vertragsabschlusses, soweit sie einen Gesamtwert von 15 Euro pro Versicherungsverhältnis und Kalenderjahr nicht überschreiten. Bis zu dieser Grenze sind kleine Aufmerksamkeiten also zulässig.

Die beiden Ausnahmen (§ 48b Abs. 3 und 4 VAG)

Neben der Geringwertigkeit kennt § 48b VAG zwei ausdrücklich geregelte Ausnahmen, die man für die Prüfung sauber auseinanderhalten sollte:

Provisionen an Vermittler-Kunden (Absatz 3)

Nach § 48b Absatz 3 VAG gilt die Gewährung von Provisionen an Versicherungsnehmer, die gleichzeitig Vermittler des betreffenden Versicherungsunternehmens sind, nicht als Sondervergütung. Wer selbst als Vermittler für das Unternehmen tätig ist und dort zugleich eine eigene Versicherung abschließt, darf die dafür anfallende Provision also behalten — sie ist keine verbotene Sondervergütung. Diese Ausnahme greift allerdings nicht, wenn das Vermittlerverhältnis nur begründet wurde, um dem Betreffenden derartige Zuwendungen für eigene Versicherungen zukommen zu lassen; dann bleibt es beim Verbot.

Dauerhafte Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung (Absatz 4)

Nach § 48b Absatz 4 VAG findet das Verbot des Absatzes 1 keine Anwendung, soweit die Sondervergütung zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrags verwendet wird. Fließt der Betrag also unmittelbar und auf Dauer in denselben Vertrag zurück — etwa als höhere Leistung oder als geringere Prämie —, ist das zulässig. Der Vorteil bleibt damit im Versicherungsverhältnis und wird nicht zur freien Zuwendung an den Kunden.

Für wen das Verbot gilt (§ 59 Abs. 1 VVG)

Adressaten des Verbots sind nach § 48b Absatz 1 VAG die Versicherungsunternehmen und die Versicherungsvermittler im Sinne von § 59 Absatz 1 VVG. Nach § 59 Absatz 1 Satz 1 VVG sind Versicherungsvermittler die Versicherungsvertreter und die Versicherungsmakler; nach § 59 Absatz 1 Satz 3 VVG ist Versicherungsvermittler zudem, wer eine Vertriebstätigkeit im Sinne von § 1a Absatz 2 VVG ausführt, ohne dass die Voraussetzungen des nachfolgenden Absatzes 2 (Versicherungsvertreter) oder 3 (Versicherungsmakler) vorliegen. Das Verbot trifft damit die beiden klassischen Vermittlertypen — Vertreter und Makler, deren Unterschied die Seite Vermittler vs. Makler erläutert — ebenso wie die weiteren von § 59 Absatz 1 VVG erfassten Vertriebstätigen.

Das Provisionsabgabeverbot ergänzt damit die übrigen berufsrechtlichen Pflichten des Vermittlers: Über die Art seiner Vergütung muss der Vermittler den Kunden ohnehin schon im Rahmen der Erstinformation nach § 15 VersVermV aufklären, und seine Beratungs- und Dokumentationspflichten nach den §§ 60 bis 63 VVG bleiben davon unberührt.

Warum das für die Sachkundeprüfung wichtig ist

Das Provisionsabgabeverbot ist ein Klassiker im Sachgebiet „Recht" der IHK-Sachkundeprüfung. Typische Fragen zielen auf die Abgrenzung: Was ist eine Sondervergütung, was fällt unter die Ausnahmen, und wer ist Adressat? Wer sich die zwei Ausnahmen des § 48b VAG — Vermittler-Kunden und dauerhafte Leistungserhöhung/Prämienreduzierung — merkt und die weite Definition der Sondervergütung versteht, hat den Stoff für diesen Bereich beisammen. Wie die Prüfung insgesamt aufgebaut ist, zeigt die Seite Sachkundeprüfung §34d.

Häufige Fragen

Darf der Makler dem Kunden einen Teil seiner Courtage auszahlen?

Nein. Eine vollständige oder teilweise Provisionsabgabe ist nach § 48b Absatz 2 VAG gerade das Musterbeispiel einer verbotenen Sondervergütung. Zulässig ist die Rückführung nur, soweit sie nach § 48b Absatz 4 VAG zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrags verwendet wird.

In welchem Gesetz steht das Provisionsabgabeverbot?

Im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), und zwar in § 48b. Die Erlaubnispflicht des Vermittlers regelt dagegen § 34d der Gewerbeordnung, die statusbezogenen Informationspflichten die Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) und die Beratungspflichten das Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Für die Prüfung ist wichtig, diese vier Regelwerke auseinanderzuhalten.

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Stand: 07/2026 · Alle Angaben nach dem Wortlaut des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) und des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Keine Rechtsberatung.